So wird man Profimusiker

//So wird man Profimusiker
  • Ein Berufsmusiker bestreitet seinen Lebensunterhalt hauptsächlich mit seiner Kunst.

So wird man Profimusiker

Es ist mal wieder so weit. Es darf gebloggt werden. An dieser Stelle noch ein riesen Dankeschön für das geile Feedback zu meinem letzten Blog. Hab tatsächlich ´ne Menge Emails und Comments bekommen und hätte nie gedacht, dass ich damit so vielen Musikerkollegen aus der Seele spreche. Wie dem auch sei…Ich hab Euch ja versprochen, dass der neue Blog nicht ganz so schwer verdaulich wird und etwas leichtfüssiger daherkommt. Nun, ich geb mir größte Mühe. Aber wie so oft in meinem Gedankenkonstrukt weiss ich vorher meistens nicht, was hinten rauskommt.  Das ist im Grunde der rote Faden meines Lebens 🙂

Talentscout

Tatsächlich werde ich und wurde ich öfters gefragt: „Wie werde ich eigentlich Profi Musiker“… einhergehen natürlich auch oft folgende Fragen: „…Und hast du n paar Jobs für mich…?“ oder “ Kannst du mal meinen Kontakt weiterleiten?“ Im Falle von StreetLIVE scheinen mich tatsächlich ein paar Musikerkollegen und „Aspiranten“ für’ne Art Talentscout zu halten. Aber auch sonst scheint allgemein der Tenor zu sein, dass ich einfach UNFASSBAR viel gebucht bin. Zumindestens, wenn man den Fragen und Kommentaren von „Kollegen“ glauben schenken darf. Ich kann Euch allen aber versichern: DEM IST NICHT SO….

Oft ist es einfach ein verzerrtes Bild, dass hauptsächlich durch Social Media Posts getriggert wird. Kaum postet man mal eins, zwei Bilder von Shows, auf denen man ist…..schon denkt alle Welt, dass man nuuuur auf Achse ist.  Das ist von der Realität aber (leider) weit entfernt.  Es ist halt ein zweischneidiges Schwert. Wenn man kein Socialmedia betreibt als Künstler/Musiker, verschwindet man in der Versenkung, postet man regelmäßig irgendwas, traut sich kaum einer Dich zu buchen, weil man suggeriert, dass du eh keine Zeit hast. Eeeeeein Teufelskreis. Aber ich schweife ab.

Berufsmusiker spielen meist in verschiedenen Bands

Wie wird man denn nun „Profi“…

Nun, zu allererst einmal muss man festhalten, dass der Begriff „Profi“ nicht zwangsläufig was mit dem Können oder der Qualität des jeweiligen Individuums zu tun hat, leider. Sondern lediglich, dass man ausschließlich mit der Musik seinen Lebensunterhalt bestreitet. Naja, ausschließlich eigentlich auch nicht. Mir scheint, als wäre gerade im Eventmusikerbereich eine simultane Existenz als Grafikdesigner, Kameramann, Webdesigner und Co. quasi mit in die Wiege gelegt oder gar eine Art „Nebeneffekt“ des eigentlichen Schaffens.

All das blieb mir verwehrt….

Wäre ich zynisch, würde ich sagen, dass ich das bisher nicht nötig hatte eben besagte Felder auch noch bedienen zu müssen. Bin ich aber nicht. Gut, dass ich das nicht gesagt hab 😉 Aber immerhin bin ich jetzt auch BLOGGER. Was mir ein tierisches „Scheisse, bin ich hip“ Gefühl vermittelt. Jedoch, um moderner Blogger zu sein, müssten meine Bloggs weniger Eloquent und mit weniger Inhalt angereichert sein. Und ich bin ungefähr 18 Jahre zu alt. Aber ich denke, ich werde in meinen nächsten Instastorys auch mal „How to make your hair really fluffy“ Videos posten und mir dabei neckisch auf dem kleinen Finger rum kauen. Mist, schon wieder schweife ich ab.

Letztlich gibt es kein Patentrezept um professioneller Musiker zu werden/sein. Ich denke, es ist nicht so schwer, ein paar Jobs in der Szene zu generieren. Die Schwierigkeit ist eher das Durchhaltevermögen und langfristig dran zu bleiben. An dieser Stelle erzähle ich Euch kurz meinen Werdegang, der vielleicht nicht so ist, wie viele denken würden.

Ich fing an Gitarre zu spielen, im zarten Alter von 9 Jahren.  Als meine Eltern entschieden, zusammen mit Tante und Onkel  Vega, eine Band zu gründen. Ich sah also 1989 irgendwann im Wohnzimmer meiner Eltern, eine frisch erworbene Gibson ES 335 in weinrot stehen ( DIE Marty McFly Gitarre aus „Zurück in die Zukunft“) und zack war es um mich geschehen. Entgegen dem Werdegang vieler Kollegen hab ich nie Musik Studiert sondern mir das meiste selbst beigebracht mit Hilfestellung meines alten Herrn. Und schon als 12jähriger stand ich also auf den Brettern, die die Welt bedeuten und hab irgendwie immer (!!!) mit älteren, bzw. BESSEREN Musikern Musik gemacht. Hab fein aufgepasst und viel gelernt.

Gitarrist Chris Vega mit seiner Gitarre

Fast Forward: Irgendwann, Mitte 20 nach diversen Intermezzi in „normalen“Jobs, inklusive einer Ausbildung zum Stadtsekretäranwärter im mittleren Dienst der Stadt Essen (ja, ich war Verwaltungsbeamter) spiele ich regelmäßig in einer unsäglichen „Strassenfestcoverband“ die nach außen hin vermittelte ECHT geil zu sein, letztlich aber unterer Durchschnitt war. Und alle meine Musikerkollegen kennen das: Habt Ihr auch mal in einer Band gespielt, in der EIN Mitglied musikalisch keine Daseinsberechtigung hatte? Da Er oder Sie aber entweder Inhaber des Proberaums oder des Bandbusses war, wurde Er/Sie toleriert?

Professionelle Musiker machen ihre Kunst hauptberuflich

Das hatte ich damals jedenfalls BIG TIME!!! Dennoch hatte es eben besagte Band irgendwie hinbekommen, Bochumer Urgestein und Gesangsikone Pamela Falcon als Special- Guest für eine Show in Soest zu verpflichten, was für mich ein echt dickes Ding für mich war. Denn bereits als knapp 20jähriger war ich regelmäßiger Gast (also…Publikum) der durch Pam initiierten „New York Nights“ – Session im Bochumer Riff-Club. Und damals war das für mich das non Plusultra, was die Qualität und Musikalität anging bei uns im Ruhrgebiet. Und das war es auch.

Dort hab ich zum ersten Mal den Charakter einer Session Band erlebt und war komplett weggeblasen. Jedenfalls war es echt ein dickes Ding für mich mit Pam zu spielen, die natürlich im Grunde viel zu gut war für diese Band (Wobei ich anmerken muss, dass die Band mit Ausnahme des Bassisten eigentlich ziemlich fit war, lediglich die äußeren Umstände, welche eben besagter Bassist schuf sorgten auch für ein Gefälle in der Qualität).

Sängerin Pam Falcon

Und es kam wie es kommen muss: Pam fand mich ganz gut und irgendwie cool. Und nur wenige Zeit danach, bekam ich einen Anruf und mein erster Gig mit der legendären Riff-Band war gebucht. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich mich fühlte, als wäre ich im Rockolymp angekommen. Von da an ging alles wirklich konsequent aufwärts. Ich spielte mal hier und mal da. Die Qualität und vor allem aber auch die Bezahlung der Shows wurde immer besser.

Dennoch hab ich mich auch zu diesem Zeitpunkt immer als Art „Student“ gesehen und war immer achtsam was um mich herum passierte und lernte von meinen meist älteren und erfahreneren Musikern. Bis heute. Bei einer „New York Night“ (in der ich mich mittlerweile als regelmäßiger Sub vom grossartigen Klaus Spangenberg wiederfand) waren unsere Annabell und Joe Whitney dann mal als Special Guests gebucht. Und ich spielte Gitarre an dem Abend.

Das war glaub ich 2010 oder maximal 2011. Nach der Show fragte Joe mich dann nach meinen Kontakt-Details und der Rest ist Geschichte. Ich hab im Grunde also meine „Karriere“ wenn man das so nennen darf, Pam Falcon zu verdanken, warum ich Ihr auch auf ewig dankbar sein werde und jedes Mal, wenn ich im Riff zu Gast bin, erinnere ich mich an diese Zeit und genieße jede Sekunde dort zu spielen.

Soviel zum „ersten“ Schritt. Aber wie bleibt man „top“ bzw „gut genug“? Ich weiss mittlerweile, dass es nicht bloss darauf ankommt, wie gut man spielt. Ich kenne genug Gitarristen, die mir mit einem süffisanten Lächeln den „Arsch abspielen“ können, aber dennoch nichtmal halb soviele Shows spielen wie ich. Was ist also das Geheimnis? Nun, ich kann natürlich nur von mir sprechen. Die essenziellen Eigenschaften, die absolut zwingend und erforderlich sind erfahrt ihr im zweiten Teil und nächsten Blogpost.

Die 10 wichtigsten Eigenschaften eines Berufsmusikers
2018-03-15T15:24:53+00:00